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09.03.2012

Nationalparkdiskussion bei der CDU Ettenheim

Von Klaus Keller

Politischer Aschermittwoch 2012

Einen etwas anderen politischen Aschermittwoch veranstaltete die CDU Ettenheim in diesem Jahr. Nach dem traditionellen Heringsessen setzte man sich nicht mit dem politischen Gegner auseinander, sondern nahm sich eines derzeit sehr kontrovers diskutierten umweltpolitischen Themas an: „Der geplante Nationalpark Nordschwarzwald“.

Der Vorsitzende Dr. Volker Kaminski konnte neben mehr als 50 Zuhörern, auch aus anderen CDU-Ortsverbänden des Südbezirkes, zwei äußerst kompetente Fachleute begrüßen.

Der promovierte Förster Thomas Waldenspuhl von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und der Biologe Dr. Wolfgang Schlund vom Naturschutzzentrum Ruhestein.

Die ersten kleinen Nationalparks entstanden in Deutschland erst Anfangs der 1970er Jahre, während in den USA bereits vor mehr als 140 Jahren solche Parks gegründet wurden. Um der weltweiten Waldvernichtung entgegenzuwirken, hat sich Deutschland auf der Klimakonferenz von Rio 1992 verpflichtet, mindestens 5 % der Gesamtlandfläche dauerhaft einer weiteren Nutzung zu entziehen.

„In den Nationalparks wird der Natur die Chance gegeben, Natur zu bleiben“, erläuterte Wolfgang Schlund. Er verwies darauf, dass hierdurch insbesondere vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen eine reelle Überlebenschance gegeben wird. Diesem Ziel haben sich alle großen Parteien in ihren Wahlprogrammen zur Landtagswahl verpflichtet, dennoch ist die Realisierung nicht leicht. Die ökologischen, ökonomischen aber auch sozialen sowie kulturellen Gründe für einen Nationalpark werden zum Teil sehr emotional diskutiert.

Die neue Landesregierung hat versprochen, den Nationalpark Nordschwarzwald nur dann zu realisieren, wenn er von den Bürgern mitgetragen wird. Hierzu bedarf es jedoch insbesondere einer sachlichen und vorurteilsfreien Auseinandersetzung. Wesentliche Eckpunkte des im Raum Baiersbronn und Bad Wildbad geplanten Nationalparks, der an die nördliche Ortenau grenzt, sind: nur hier sind zusammenhängende Flächen zu finden, die die ökologischen Voraussetzungen annähernd erfüllen, die Mindestgröße von etwa 10.000 ha zu erreichen (doppelte Fläche der Gemarkung Ettenheim).

Der Grundbesitz ist ausschließlich im Staatseigentum und die Parkgrenzen sollen mindestens 500 m von Privat- oder Kommunalwald entfernt sein. „Natürlich entsteht solch ein Nationalpark nicht über Nacht“, stellte Thomas Waldenspuhl fest, „sondern man muss eine Entwicklungszeit von 30 Jahren vorsehen“. Nach dieser Zeit ist dann eine Bewirtschaftung des Waldes nicht mehr zulässig und eine Beeinflussung durch den Menschen ist tabu.

Auch auf die viel diskutierte Borkenkäfer-Problematik ging Wolfgang Schlund ein. Neben bereits in Bayern angewandten positiven Maßnahmen sah Schlund auch durch die geplanten Schutzräume keine unmittelbare Gefährdung für andere Wälder. „Naturpark und Nationalpark sind kein Widerspruch“ resümierte Waldenspuhl und verwies auf bereits positive Ergebnisse des Naturparks Hohes Venn in der Eifel. In der anschließenden Aussprache konnten die beiden Referenten weitere kritische Fragen klären.

Sie verwiesen auch auf die Internetseiten der Befürworter und Gegner: www.pro-nationalpark-schwarzwald.de und www.unser-nordschwarzwald.de.